PZ – 24.03.2017 – Horch-Konzert mit Bernhard Eder und Dirk Homuth in Pforzheimer Reifenhandlung

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Pforzheim. Wie klingt das eigentlich, wenn man ein Konzert in der Montagehalle eines Reifenhändlers veranstaltet? Überraschend gut. Zumindest, wenn das Konzert in der Reifenhandlung Gross in Pforzheim stattfindet und wenn es sich bei den beteiligten Künstlern um Bernhard Eder und Dirk Homuth handelt. Sie schaffen es mit ihrer einzigartigen Musik nämlich, die rund 1500 Quadratmeter große Montagehalle zum Klingen zu bringen. Und das, obwohl sie vorher noch nie in einer Reifenhalle gespielt haben. Behauptet Homuth zumindest. Es gibt eben für alles ein erstes Mal.

Dass es überhaupt zu dem Auftritt kommt, ist der Musikerinitiative Pforzheim zu verdanken, die bei ihren „Horch!“-Konzerten regelmäßig nach Orten Ausschau hält, an denen man alles vermuten würde, nur kein Konzert.Dass das Konzept ankommt, beweist die große Anzahl der Zuhörer, die den beiden Musikern an diesem Abend fast zwei Stunden lauschen. Dabei erleben sie nicht nur zwei talentierte Singer-Songwriter, sondern auch Momente, die ihnen so schnell wohl nicht mehr aus dem Kopf gehen werden. Etwa Eders Interpretation von „Heite drah i mi ham“. Ein trauriger Titel über das heikle Thema Selbstmord von Wolfgang Ambros, den keine der großen Radiostationen spielt. In der Montagehalle sorgt er für Gänsehaut.

Überhaupt haben die Covers von Eder nicht mehr viel mit dem Original gemeinsam. Außer den Text vielleicht. „Rock ’n’ Roll Star“ von Oasis kommt ganz langsam und unaufgeregt daher, die Country-Nummer „Ring Of Fire“ wird zu einem lässigen, entspannten Stück und bei „I Feel You“ von Depeche Mode nutzt er den Resonanzkörper seiner Akustikgitarre, um seine Stimme zu verfremden. Auch sonst beweist Eder Kreativität. Etwa, wenn er live aufgenommene Loops einsetzt und nach dem zweiten Stück schon die Setlist über den Haufen wirft. Neben Coversongs präsentiert er eine ganze Reihe eigener Stücke. In „Sad Ballad Man“ geht es etwa um seine Jugend in der österreichischen Provinz. Bei der Gelegenheit erzählt er auch, dass er als Jugendlicher eine Lehre zum Kfz-Mechaniker gemacht hat. Allein schon deswegen kann es für seinen Auftritt in Pforzheim wohl kaum einen besseren Ort geben als die Montagehalle der Firma Gross, in der noch ein paar Stunden vor dem Konzert Reifen an Autos montiert worden sind.

Bei ihrem Auftritt stehen Eder und Homuth vor der Montagestraße und auf der Hebebühne. Homuth begleitet Eder auf der Elektrogitarre. Zu Beginn des Abends, quasi als Vorgruppe, spielt er ein eigenes kurzes Set mit selbst komponierten Liedern. Seine warme Stimme transportiert hervorragend die Gefühle, wenn er musikalisch von Schnee im Mai erzählt oder davon, dass das Glück nicht im Materiellen liegt, sondern in kleinen Details, die man schnell übersieht. Kein Wunder, dass beide Musiker tosenden Applaus erhalten.

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