PZ – 14.04.2016 – Fast wie im Wohnzimmer: Liedermacher-Konzert im EMMA

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Geeignete Konzertbühnen für Nachwuchsmusiker sind Mangelware. Allerorten und – spätestens seit dem jüngsten Club-Sterben – auch in der Goldstadt. Diesem für Musiker und Zuschauer gleichermaßen negativen Trend setzt die Musikerinitiative Pforzheim (MIPF) jetzt ihre neue Konzertreihe „Horch!“ entgegen.

„Wir veranstalten intime Konzerte“, erläutert Chris Baranowsky, „an wechselnden, auch ungewöhnlichen Locations.“ Zielgruppe, so Baranowsky weiter, „sind Leute, die wegen der Musik zu einem Konzert kommen“. Und sein MIPF-Mitstreiter Jörg Schneider (Akkordeonist bei der Pforzheimer Gruppe Marrón) ergänzt: Als Veranstalter suche man ganz gezielt „Wohnzimmer-Atmosphäre“.

Dass es dabei aber keineswegs spartanisch zugehen muss, machte das Doppelkonzert der beiden britischen Singer/Songwriter Marty Longstaff und Stefan Melbourne deutlich: Der moderne Veranstaltungsraum des EMMA besitzt sowohl eine gute Akustik und kann bis zu 85 Konzertgäste bequem aufnehmen. Im Foyer war durch ehrenamtliche MIPF-Mitarbeiter zudem für Getränke und Snacks zu studentisch günstigen Preisen gesorgt.

Authentische Atmosphäre

Musikalisch bot das Konzert exakt den spannenden Reiz, der gerade aus nächster Nähe genossenen Live-Gigs junger, authentischer Songwriter innewohnt. Höhepunkt des Konzerts war erwartungsgemäß die zweite, von „Lake Poets“-Frontman Marty Longstaff gestaltete Konzerthälfte.

Der 26-jährige Longstaff überrascht mit einer bis in die sopranen Höhen des Falsetto-Gesangs reichenden, kraftvollen und durchgängig angenehmen Stimme. Auch die Themen seiner getragen und ehrlich daherkommenden Songs sind ziemlich ungewöhnlich. In der Eigenkomposition „Black And Blue“ schildert er ein Erlebnis aus seinem Lehrerberuf im nordenglischen Sunderland – Schwarz und Blau stehen für die großflächigen Blutergüsse einer sechsjährigen Schülerin, die von ihrem leiblichen Vater misshandelt wurde. Andere Songs von Marty Longstaff griffen im sehr gut besuchten EMMA die Knochenarbeit des eigenen Großvaters („Shipyards“) auf oder galten wie „Your Face“ oder „See You Tonight“ der zu Hause gebliebenen Verlobten.

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