PZ – 04.08.2016 – Konzert von Rocky Votolato verzaubert Pforzheimer Fabrikhalle

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Keine große Show. Keine verrückten Lichteffekte, kein spektakuläres Bühnenbild, keine monströsen Aufbauten. Nur Rocky Votolato mit seiner erdigen Stimme und seiner Akustikgitarre. Und das reicht.

Keine große Show. Keine verrückten Lichteffekte, kein spektakuläres Bühnenbild, keine monströsen Aufbauten. Nur Rocky Votolato mit seiner erdigen Stimme und seiner Akustikgitarre. Und das reicht.

Der Singer-Songwriter kommt aus Seattle im US-Bundesstaat Washington und macht Musik, die unter die Haut und zu Herzen geht. Irgendwas zwischen Indie-Rock und Alternative Country.

In Pforzheim tritt er in der Fabrikhalle von Max Simmel auf, die 1946 als eine der ersten nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde. Früher haben hier bis zu 80 Mitarbeiter hochwertige Druckmaschinen gefertigt. Mittlerweile steht das Gebäude seit rund anderthalb Jahren leer.

Von den weiß-grünen Wänden bröckeln Putz und Farbe, der Betonboden ist schmutzig, durch die staubigen Glasfenster fällt die Abendsonne. Später werden die Räume von roten Scheinwerfern und Kerzen erhellt. Rund 70 Gäste sitzen im Innern der Fabrikhalle auf Klappstühlen und Hockern aus Holz. Sie hören genau zu, was Rocky Votolato ihnen mit seiner Musik zu erzählen hat. Sie alle haben sich im Vorfeld auf eine Gästeliste setzen lassen, einen Kartenvorverkauf im herkömmlichen Sinn gab es nicht. Erst ein paar Tage vor dem Konzert haben die Gäste den ungewöhnlichen Veranstaltungsort erfahren. Organisiert hat das Konzert Chris Baranowsky zusammen mit der Musikerinitiative Pforzheim. Es ist das dritte, das im Rahmen der Reihe „Horch“ über die Bühne geht.

Songs mit Ecken und Kanten

Nach „Lake Poets“-Frontmann Marty Longstaff und Fabio Bacchet ist es den Veranstaltern mit Rocky Votolato erneut gelungen, einen Musiker zu finden, der eine Botschaft zu vermitteln hat. Die Musik des 39-jährigen Amerikaners ist nicht glatt oder gekünstelt. Im Gegenteil: Seine Songs haben Ecken und Kanten, mit denen sie perfekt in die alte Fabrikhalle passen.

Sie handeln von Traumata, von menschlichen Aliens, von Entschleunigung, von dem Verlust eines geliebten Menschen – und davon, dass man mit seinem Leben machen soll, was man will. Viele sind melancholisch. In anderen kommt unbändige Lebensfreude zum Ausdruck. Oft schließt Votolato die Augen, wenn er seine gefühlvollen Texte ins Mikrofon haucht.

Während in seinen Texten große Gefühle und wahre Poesie eine kunstvolle Symbiose eingehen, liegt der Reiz seiner akustischen Arrangements gerade in ihrer Schlichtheit. Den Sound seiner Akustikgitarre variiert er gekonnt zwischen zarten, leisen Tönen und rauen, scheppernden Klängen. Immer wieder greift er zur Mundharmonika.

Er gibt seinem Publikum die Gelegenheit, in seine Lieder einzutauchen, ihre Botschaft zu verstehen. Man merkt an diesem Abend einfach, dass Rocky Votolato für seine Musik lebt. Am Ende gibt es stürmischen Beifall, teilweise sogar im Stehen. Erst nach zwei Zugaben beruhigt sich das Publikum wieder.

Bereits früher am Abend hatte Perry O’Parson mit seiner sanften, erdigen Stimme und seinen melancholischen Liedern von sich überzeugt und dafür viel Applaus erhalten.

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